Katastrophenrisiko

Katastrophenrisiken sind komplex und werden von vielen Wirkdimensionen beeinflusst. Sie können zwar nicht gänzlich beseitigt werden, ein besseres Risikoverständnis ermöglicht jedoch fundierte Risikomanagemententscheidungen. In den letzten Jahren wurden in allen wichtigen Risikobereichen große Fortschritte erzielt. Risikobewertungen und Risikomodelle per se können zwar keine Entscheidungen treffen, aber sie liefern eine solide Grundlage dafür. Die Entwicklung einer Kultur des Risikobewusstseins und die Förderung des Risikoverständnisses kommt letztendlich der Gesellschaft zugute. Dazu gehört auch ein Verständnis der Prozesse von Risikobewertung, die Modellierung von möglichen Szenarien und die Etablierung einer verständlichen Risikokommunikation.  All das macht eine Gesellschaft widerstands- und anpassungsfähiger und trägt dazu bei, Leben und Eigentum zu retten.

 In Europa herrscht im Bereich des Krisen- und Katastrophenmanagements ein wissenschaftsbasierter Ansatz, auf dem reichhaltige Informations- und Datenquelle aufgebaut wurden. Derzeitige Datenbanken zu Schäden und Verlusten durch Naturgefahren sollen weiter standardisiert und erweitert werden, um die Evidenzbildung bei der Bewertung von Risiken zu unterstützen. Eine weitere Herausforderung besteht darin, lokale Daten und Informationen heranzuziehen, um kleinräumige Besonderheiten der Sicherheitsanfälligkeit zu berücksichtigen. Das erfordert die Integration zusätzlicher Wissensbestände, die nur über inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit erfasst und bewertet werden können.

Risikobewertungen fokussieren zumeist nur auf mögliche Schäden und lassen andere als technisch-naturwissenschaftliche Bewertungsdimensionen außer Acht. Verwundbarkeiten werden nicht angemessen berücksichtigt, ebenso wenig formelle Rahmenbedingungen (Verfahren, Gesetze und Vorschriften) und informelle Einflussfaktoren (Werte, Normen und Traditionen). Diese spielen aber oft eine grundlegende Rolle, da sie die Risikotoleranz und die Widerstandsfähigkeit einer Gesellschaft wesentlich beeinflussen, sowohl in positiver als auch in negativer Hinsicht. Die zukünftigen Herausforderungen bestehen also darin, die Wissensbasis für eine gesamtheitliche Risikobewertung zu verbessern und praxistaugliche Entscheidungen zur Risikobehandlung zu ermöglichen.

Koordination

Eva-Maria Kern

Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Dr. mont. MBA
Eva-Maria Kern

Fakultät für Wirtschafts- und Organisationswissenschaften
Vizepräsidentin für Forschung, Universität der Bundeswehr München

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André Gaszó

MMag. Dr.
André Gaszó

Institut für Technikfolgen-Abschätzung
Österreichische Akademie der Wissenschaften

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